Hautkrebs und Präkanzerosen

Hautkrebs und Präkanzerosen 2017-10-24T09:37:52+00:00

Die Zahl der Hautkrebserkrankungen ist in den vergangenen Jahren weltweit rasant gestiegen, wobei sich die statistischen Angaben ständig ändern, die Tendenz bleibt alarmierend steigend. Hautkrebs kann in 2 Hauptvarianten, den „schwarzen“ (Melanom) und den „weißen“ Hautkrebs (Basalzellkarzinom, spinozelluläres Karzinom) sowie diverse seltenere Hautkrebsarten unterteilt werden.

Als ein Ursachenfaktor für einen Großteil der Hautkrebserkrankungen gelten ungeschützte, häufige Sonnenbestrahlung und Sonnenbrände, insbes. in der Kindheit. Wird die Haut längere Zeit UVA- und/oder UVB-Strahlen ausgesetzt, entsteht eine erhebliche Beschädigung des Erbguts in ihren Zellkernen. Auch Infrarotstrahlen werden bei der Entstehung von manchen Hautkrebsarten diskutiert. Das Risiko hängt aber noch von anderen Faktoren ab wie der Anzahl der Muttermale und der genetischen Veranlagung (z.B. erhöhtes Risiko bei Melanomerkrankungen in der Familie).

Präkanzerosen – Aktinische Keratosen, Morbus Bowen

Präkanzerosen (auch Hautkrebsvorstufen genannt) stellen Veränderungen des Gewebes dar, die ein statistisch erhöhtes Risiko für eine bösartige Entartung in sich bergen. Dazu gehören Hauterkrankungen, die nach längerer Zeit ihres Bestehens entweder gewiss in einen Hautkrebs übergehen (obligate Präkanzerosen) oder nur die mögliche Veranlagung haben, übergehen zu können (fakultative Präkanzerosen). Rechtzeitig behandelt, sind diese Hautkrebsvorstufen meist heilbar.

Die häufigste obligate Präkanzerose der Haut ist die aktinische Keratose, ein sog. „Carcinoma in situ“. Diese tritt vorwiegend auf chronisch UV-geschädigter Haut auf, meist auf den sog. „Sonnenterrassen“, also im Gesicht, auf Stirn, Nase, Wangen, Ohrmuscheln, Glatze und Handrücken. Ein heller Hauttyp, der chronischer, übermäßiger UV-Strahlung ausgesetzt wurde, ist prädestiniert dafür. Aktinische Keratosen beginnen als kleine umschriebene, rau tastbare Stellen, die hautfarben, rötlich oder bräunlich sein und beim Abkratzen bluten können. Werden sie nicht rechtzeitig entdeckt und behandelt, können sich invasive Plattenepithelkarzinome (spinozelluläre Karzinome, Spinaliome) daraus entwickeln.

Die nicht-operativen Therapiemöglichkeiten sind vielfältig. Wirksame Behandlungsmethoden sind je nach Befund Curettage (Abtragung mittels eines gerundeten Spezialskalpells), äußerlich aufgetragene Chemotherapeutika (sog. Chemochirurgie), Laserverfahren (z.B. CO2- oder Erb:YAG-Laser), PDT (photodynamische Therapie) und Peelingverfahren.

Der Morbus Bowen stellt eine weitere Präkanzerose dar und zeigt sich vor allem in der zweiten Lebenshälfte und kann durch UV-Licht, bestimmte Viren und chemische Stoffe (z.B. Arsen) ausgelöst werden. Im Gegensatz zu aktinischen Keratosen tritt er nicht ausschließlich in sonnenexponierten Bereichen auf und ist gekennzeichnet durch einzelne, unregelmäßig geformte, rötliche, schuppige, teilweise Ekzem-ähnliche Herde.

Es gibt noch andere spezielle Präkanzerosen, die im Rahmen einer dermatologischen Untersuchung diagnostiziert werden können. Prinzipiell gilt: Alle nichtheilenden Hautveränderungen sollten einer/m Dermatologin/en vorgestellt und abgeklärt werden. Häufig stecken Präkanzerosen dahinter. Wenn eine Therapie rechtzeitig erfolgt, kann die Weiterentwicklung in einen Hautkrebs verhindert und auch meist ein operativer Eingriff erspart werden.

Melanom – Schwarzer Hautkrebs

Das Melanom ist eine bösartige (maligne) Entartung der Pigmentzellen (Melanozyten). Der Tumor neigt dazu, Metastasen über Lymph- und Blutbahnen zu streuen und gilt daher als äußerst gefährlich. Melanome können sehr selten sogar ohne Pigmentierung auftreten, was ihre Diagnostik erschwert. Neben dem Melanom der Haut existieren weitere Arten des malignen Melanoms wie zum Beispiel das Bindehautmelanom und das Aderhautmelanom des Auges oder das Melanom der Hirnhäute.

Die gute Nachricht: Wird ein Melanom rechtzeitig erkannt, sind die Heilungschancen meistens sehr gut. Die Früherkennung ist daher in jedem Fall die beste aller möglichen Therapien. Dazu gehören die jährliche dermatologische Hautkrebsvorsorge und unabhängig davon die dermatologische Untersuchung bei zweifelhaften Neuveränderungen. Wenn sich also ein Muttermal zwischen den jährlichen Untersuchungen verändert, sollte es zeitnah fachdermatologisch untersucht werden. Suspekt auf bösartige Neubildungen sind z.B. schnell entstehende Muttermale und/oder solche, die sich in Farbe und Form verändern (ABCD-Regel) oder bluten.

Die primäre Therapie des Melanoms erfolgt in seiner kompletten operativen Entfernung inkl. Anteilen gesunder Haut. Für die weitere Behandlung ist dann entscheidend, wie dick der Tumor war, wie tief er in das Gewebe eingedrungen ist, und ob er Metastasen (Tochtergeschwüre) gebildet hat. Je nachdem können weitere diagnostische Maßnahmen und therapeutische Eingriffe erforderlich sein, die in spezialisierten Zentren, mit denen wir kooperieren, durchgeführt werden, z.B. die Entfernung des sog. Wächterlymphknotens (sentinel lymph node), die Entfernung von Metastasen, eine Immun-, Chemo- und /oder Strahlentherapie. Die Immuntherapien haben dabei in den letzten Jahren die Behandlung revolutioniert und die therapeutischen, davor jahrzehntelang stagnierenden Möglichkeiten bei fortgeschrittenen Melanomen maßgeblich erweitert. Die Nachsorge spielt eine große Rolle nach der Therapie eines Melanoms und wird, wie auch die Therapie selber, entsprechend dem Stadium des Tumors gemäß den Leitlinien der Deutschen Dematologischen Gesellschsft (DDG) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) durchgeführt.

Basalzellkarzinom (Basaliom) – Weißer Hautkrebs

Das Basaliom nimmt eine Sonderstellung unter den Hauttumoren ein. Es wächst zwar wie eine Krebsgeschwulst zerstörerisch am Ort des Entstehens, bildet dabei aber keine bzw. extrem selten (bei bestimmten Sonderformen) Metastasen. Daher wird das Basaliom als semimaligne bezeichnet, und die vollständige operative Entfernung des Tumors im gesunden Gewebe ist gleichbedeutend mit einer Heilung. Das Basaliom ist im höheren Lebensalter die häufigste Krebsart überhaupt, kann aber auch in jüngeren Jahren auftreten. Man findet es überwiegend im Gesicht, seltener am Körper, bevorzugt in sonnenexponierten Arealen, gelegentlich auch an mehreren Stellen gleichzeitig.

Häufig zeigt sich das Basaliom als glasiges, hautfarbenes und glänzend transparentes Knötchen. Später kann es zentral einsinken mit einem Randwall aus kleinen Papeln und erweiterten Blutgefäßen. Es kann aber auch eher unauffällig wie ein Ekzem aussehen, vor allem bei dem sog. Rumpfhautbasaliom. Falls es nicht rechtzeitig operativ entfernt wird kann das Basaliom beachtliche Zerstörungskraft bis auf den Knochen entwickeln. Bei mehreren oberflächlichen Herden oder in operativ schwer zugänglichen Bereichen können auch nichtoperative Verfahren wie die photodynamische Therapie oder die lokale Immuntherapie in Erwägung gezogen werden.

Gut zu wissen – Was können Sie präventiv tun?

  • Schärfen Sie Ihr Bewusstsein hinsichtlich Sonnenschutz und Sonnenverhalten: Am Besten meiden Sie intensive Sonnenbestrahlung, insbes. zwischen 11.00 und 15.00 an sonnigen Tagen. Falls dies z.B. aus beruflichen Gründen nicht machbar ist, tragen Sie ein Präparat mit einem hohen Sonnenschutzfaktor 50 auf und reduzieren die Expositionszeit soweit wie möglich. Sonnenbrille und Hut gehören dazu. Die Australier haben dafür das Motto „Slip, Slap, Slop“ („Zieh ein Hemd an, schmier´ Dich mit Sonnenschutz ein, setz´einen Hut auf“) geprägt.

  • Lassen Sie jährlich eine Hautkrebsvorsorge (Muttermalcheck) durchführen. Wenn sich ein Muttermal zwischen den Vorsorgeuntersuchungen verändert, lassen Sie es zeitnah dermatologisch untersuchen.

  • Kontrollieren Sie zwischen den Vorsorgeuntersuchungen einmal monatlich Ihre Muttermale selbst nach der ABCD-Regel.

  • Im Rahmen einer Schwangerschaft können Muttermale dunkler werden, und es können mit den hormonellen Umstellungen auch bösartige Veränderungen vermehrt vorkommen. Häufigere Kontrollen sind hier sinnvoll.

  • Setzen sie Babys und Kleinkinder keiner direkten Sonennbestrahlung aus und achten Sie auch bei größeren Kindern auf einen intensiven Sonnenschutz sowie das Fernbleiben aus der Sonne zwischen 11.00 und 15.00.

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